Bildquelle Interview Süddeutsche Zeitung

Martina Tahiri spricht beim Frauennotruf über Abhängigkeit

Von Lena von Holt

Von Alkohol oder Essen abhängig zu sein, das kann sich wohl noch jeder vorstellen. Aber auch zwischenmenschliche Beziehungen, Bestätigung oder Liebe können unfrei machen. Eine symbiotische Beziehung, in welcher der Partner ohne den anderen nicht Leben kann, sei keine gesunde Liebe, erklärt Martina Tahiri (). Die 40-Jährige ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und Coach. Am Montag wird sie beim Frauennotruf in Fürstenfeldbruck über solche Abhängigkeit sprechen.

Eine so enge Partnerschaft sei so etwas wie eine Mutter-Kind-Beziehung. Zu einer Begegnung auf Augenhöhe gehöre dagegen, Eigenverantwortung zu übernehmen. Statt den anderen zu brauchen, solle der Partner einen bereichern. Gegen Abhängigkeit gebe es kein Wundermittel wie gegen Husten den Hustensaft. Die Lösung könne nur in einem selbst gefunden werden, sagt Tahiri. Abhängigkeit sei ein Symptom, an dem man erkenne, dass man selbst in Schieflage geraten sei und dass man das Leben nicht mehr selbst in der Hand sei. “Sie deutet darauf hin, dass ich mit etwas unzufrieden oder unglücklich bin”, sagt Tahiri. Dahinter stecke dann meistens etwas anderes, Größeres.

Seit Sommer vergangenen Jahres leitet Martina Tahiri eine Praxis für Psychotherapie in Grafrath. Bei ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf die Schwerpunkte Hochsensibilität und Abhängigkeit. Zusätzlich zur Gesprächstherapie, mit deren Hilfe sie das nachvollziehen kann, was im Kopf ihrer Klienten vorgeht, hilft ihr eine meditative Gefühlsarbeit dabei, auch deren Unterbewusstes zu erfassen. Im Leben der gebürtigen Mittelfränkin geht es schon immer darum, sich selbst zu finden. Bei dieser Aufgabe möchte sie auch ihren Klienten helfen. Für ihren Beruf bringt Tahiri eine ganz besonders wichtige Fähigkeit mit: Ihr gelinge es, wie sie selbst sagt, ihrem Gegenüber hundertprozentige Präsenz und Wertschätzung entgegenzubringen. Und das, ganz ohne die professionelle Grenze, die der Job fordert, zu überschreiten.

Wer sich frage, ob er ein selbstbestimmtes Leben führe, könne oft schon ganz einfach herausfinden. Ob es um ein Glas Wein oder den täglichen Internetkonsum gehe – wer sich fragt, ob es in diesem Moment auch ohne gehen würde und dies mit Ja beantworten könne, dürfte sich auf der sicheren Seite fühlen.

Am Montag, 7. März, referiert Martina Tahiri zum Thema Abhängigkeit und selbstbestimmtes Leben in der “Weiberkram”-Reihe des Frauennotrufes. Die Veranstaltung findet von 19 Uhr an Am Sulzbogen 56 in Fürstenfeldbruck statt und kostet zwei Euro.

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