Hochsensible Menschen glänzen vor allem auf dem Gebiet tiefer, enger zwischenmenschlicher Verbindungen. Auch wenn es immer wieder herausfordernd ist, eine gesunde Balance zwischen engen, tiefen Freundschaften, familiären Banden oder Liebesbeziehungen und dem ausgeprägten Bedürfnis an innerem Rückzug und Raum für sich Selbst zu finden und zu halten – enge, tiefe Verbindungen sind unsere Königsdisziplin, wir wissen um deren reichen Wert.

Wir können dann auf dem Gebiet sensibler Kommunikation glänzen, wenn wir unsere besonderen Fähigkeiten und unsere Andersartigkeit zu verstehen und zu nutzen wissen.

Unsere feinen Antennen machen es uns leicht, Nuancen, Zweideutigkeiten, Verstecktes und Unterbewusstes unseres Gegenübers wahrzunehmen. Damit sind wir einerseits klar im Vorteil, andererseits erschöpft und kostet es uns viel Energie, all die Schwingungen, die in der Luft liegen zu spüren. Und genau hier liegt die Gefahr: Sind wir übererregt und überreizt durch all das von „Außen“, können wir in den Augen unseres Gegenübers, der uns sonst als so ruhigen, geduldigen, aufmerksamen, feinfühligen, mitfühlenden, intuitiven und respektvollen Gesprächspartner und Zuhörer kennt, plötzlich höchst unsensibel reagieren. Der Grund: Die Situation, unser Gegenüber ist uns zuviel geworden, unser Maß an Reizen, die wir ertragen und handeln können, ist voll und droht überzulaufen.

Ein ganz einfaches Gegenmittel: Teilen Sie Ihrem Gesprächspartner mit, was es um Ihren „Reizhaushalt“ steht, lassen Sie ihn teilhaben an Ihrem Empfinden. Erklären Sie, dass es nichts mit seiner Person zu tun hat, sondern dass SIE das Bedürfnis nach Rückzug verspüren. Und lassen Sie ihn wissen, dass Sie wieder zurückkehren in den Dialog, in die Vertrautheit, in die Verbindung, wenn Sie Ihre Batterien wieder aufgeladen haben. Denn: Vertrauliche Kommunikation braucht Zeit, braucht ein „Gerne-Dasein“, ein dem anderen Zeit widmen mit Freude. Bleiben Sie verbindlich.

Gefühle zu offenbaren, z. B. dem Gesprächspartner mitzuteilen, dass Sie verärgert, verwirrt, verletzt oder einfach „satt an Kommunikation“ sind bedeutet der Angst zu begegnen, die uns sagt: „Mein Gegenüber wird mich dafür verurteilen, dass ich so empfinde, er wird sich von mir zurückziehen, gekränkt sein, mich nicht verstehen, eine Kluft zwischen uns entsteht“. Lassen Sie diese Angst da sein, stellen Sie sich dieser Angst. Es könnte eine alte Angst sein, die aufgrund von gesammelten Erfahrungswerten im Raum steht. Seien Sie mutig und wagen Sie, Ihre Gefühle zu verbalisieren. Denn genau dadurch wird Nähe erzeugt. Ein reifer Gesprächspartner wird dies zu schätzen wissen! Und vergessen Sie nicht, ihm seine Gegengefühle dazu einzugestehen. Wichtig ist, stets verbindlich zu bleiben. Lassen Sie Ihr Gegenüber wissen, dass Sie wiederkommen, dass Sie nur eine kleine Auszeit brauchen, dass Ihre Verbindung unverändert besteht. Manchmal braucht es einfach ein bisschen Zeit…

Angst kann uns auch unsere Intuition machen, unsere reiche Vorstellungskraft hinsichtlich dessen, in welchen möglichen Varianten das Gespräch verlaufen könnte. Auch diese Angst könnten wir unserem Gesprächspartner erzählen. Und wir können uns diese alten Angstmuster bewusst machen und folglich bewusst andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Erscheint uns dies unmöglich, hilft uns schon das alleinige Bewusstwerden unserer „Intuitionsfalle“. Das Bewusstmachen ist stets der erste sehr wichtige Schritt.

Kommunikation braucht folgende Zutaten, um nicht nur zu funktionieren, sondern auch wohl zu tun und Freude zu bereiten:

– Achtsamer Respekt
– Volle Aufmerksamkeit
– Geduld und Hingabe
– Mit- und Feingefühl
– Intuition und Lebendigkeit

Erscheint Ihnen eine Kommunikation abzugleiten, sehen Sie Streitgefahr, können Ihnen und Ihrem Gesprächspartner folgende Möglichkeiten helfen, die Stimmung und den Verlauf abzufangen und in eine positive Richtung zu lenken:

Bleiben Sie bei sich, sprechen Sie in „Ich-Botschaften“ wie es Ihnen damit geht anstelle von Vorwürfen und Anklagen
Schützen Sie die Verbindung indem Sie Positives erwähnen (positives am Gegenüber, an der Verbindung, am gemeinsam Erlebten)
Bleiben Sie abwartend, gestehen Sie Pausen ein, geben Sie die Möglichkeit einer Auszeit, eines Notausstieges
Bleiben Sie ehrlich und authentisch
Re-agieren Sie nicht sondern nehmen Sie Vorwürfe an, geben Sie ungefragt keine Ratschläge
Schätzen Sie den Wert von Kritik, der für Gesprächstiefe spricht und sehen Sie die Möglichkeiten der Weiterentwicklung durch Feedback
Bleiben Sie verbindlich, geben Sie Ihrem Gegenüber das Gefühl des Vertrauens und innerer Nähe und dass Sie trotz Auseinandersetzungen und anderer Haltungen Ihre Verbindung nicht verlassen, dass dies nicht Wertverlust sondern Wachstum aneinander und miteinander bedeutet
Tun Sie das, was Sie sich von Ihrem Gegenüber wünschen ohne dies im Gegenzug jetzt von ihm zu erwarten und einzufordern

Kümmern Sie sich stets gut um Ihre tiefen Verbindungen. Sie sind eine Quelle des Wohlbefindens.